NORMUNG

Revision der ISO 12647-2

Stand April 2026

Die ISO 12647-2 gehört zu den wichtigsten Normen im Offsetdruck. Ihre Bedeutung ergibt sich nicht nur aus ihrer direkten Anwendung in der Praxis, sondern auch aus ihrer Einbindung in Standard- und Zertifizierungssysteme wie den ProzessStandard Offsetdruck oder Programme wie swissPSO® und PSO France®. Wie alle ISO-Normen wird sie regelmässig – in der Regel alle fünf Jahre – überprüft. Dabei wird entschieden, ob sie unverändert bestehen bleibt, überarbeitet oder gegebenenfalls zurückgezogen wird. Für die Version von 2013 wurde eine umfassende Revision beschlossen, um die Norm an den aktuellen Stand der Technik und veränderte Marktanforderungen anzupassen.

Im Rahmen dieser Überarbeitung wurden mehrere zentrale Neuerungen eingeführt. Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die Kalibrierung von Druckprozessen. Neben der klassischen Methode über die Tonwertzunahme (TVI), die auf Dichtemessungen basiert, stehen nun zwei zusätzliche Ansätze zur Verfügung. Mit dem Colour Tone Value (CTV) wurde eine farbmetrische Alternative eingeführt, bei der die tatsächliche Farbwirkung gemessen wird. Ergänzend dazu wurde die Near-Neutral Calibration (NNC) aufgenommen, die sich an der Graubalance orientiert und den Druckprozess über neutrale Grautöne steuert. Damit erweitert die Norm die bisherigen Möglichkeiten deutlich und trägt unterschiedlichen Arbeitsweisen in der Praxis Rechnung.

Auch die standardisierten Druckbedingungen wurden erweitert. Statt bisher acht gibt es nun zwölf sogenannte Printing Conditions (PC1 bis PC12). Diese unterscheiden sich vor allem hinsichtlich Papiertyp, Druckverfahren (Bogen-oder Rollenoffset) und optischer Eigenschaften des Bedruckstoffs, insbesondere im Hinblick auf den Einsatz optischer Aufheller. In diesem Zusammenhang wurden auch die Farbzielwerte leicht angepasst, um konsistentere Ergebnisse zu ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt der Revision liegt auf den Tonwertzunahmekurven. Diese wurden neu definiert und stärker an die Eigenschaften der jeweiligen Papieroberflächen angepasst. Gleichzeitig wurden die Kurven so harmonisiert, dass unterschiedliche Kalibrierungsmethoden – insbesondere TVI und NNC – im Regelfall zu vergleichbaren visuellen Ergebnissen führen. Ergänzend dazu wurden die Messbedingungen präzisiert. Die Norm legt nun klarer fest, wann welche Messmodi (z. B. M1 oder M2) eingesetzt werden sollen, insbesondere in Abhängigkeit vom Anteil optischer Aufheller im Papier.

Mit der Einführung der Universal Characterisation Data (UCD) verfolgt die Norm zudem das Ziel einer stärkeren internationalen Vereinheitlichung. Für wichtige Druckbedingungen – insbesondere für gestrichene Papiere (PC1) – wurden einheitliche Referenzdaten entwickelt. Dadurch sollen regionale Unterschiede zwischen bisherigen Standards, etwa zwischen Europa und den USA, reduziert werden. Der neu eingeführte Colour Tone Value (CTV) stellt dabei einen wesentlichen Fortschritt dar. Im Gegensatz zur klassischen densitometrischen Messung basiert er auf Farbortmessungen (z. B. CIELAB-Werten) und beschreibt die wahrgenommene Intensität eines Farbtons. Ein zentraler Vorteil dieser Methode ist ihre visuelle Gleichmässigkeit: Eine lineare Abstufung der CTV-Werte entspricht auch einer gleichmässigen Wahrnehmung durch das menschliche Auge. So wird beispielsweise ein 50%-Wert tatsächlich als optische Mitte zwischen Papierweiss und Volltonfarbe wahrgenommen. Die Abweichung von dieser idealen Linie wird als ΔCTV beschrieben und dient als Grundlage für die Prozesskontrolle. Die Near-Neutral Calibration (NNC) unterscheidet sich grundlegend von der klassischen TVI-Methode. Während bei TVI die einzelnen Prozessfarben getrennt betrachtet und anhand fester Zielkurven eingestellt werden, basiert NNC auf der Bewertung von neutralen Grautönen, die aus den drei Buntfarben Cyan, Magenta und Gelb aufgebaut werden. Die Zielwerte sind dabei nicht starr vorgegeben, sondern werden dynamisch aus den tatsächlichen Druckbedingungen abgeleitet, etwa aus dem Papierweiss oder den gemessenen Volltönen. Ziel ist eine stabile und visuell neutrale Grauachse über den gesamten Tonwertbereich. Aufgrund dieser unterschiedlichen Ansätze kann sich das Druckbild je nach Kalibrierungsmethode leicht unterscheiden. Für zentrale Referenzbedingungen wurden die Zielwerte jedoch gezielt so abgestimmt, dass beide Methoden zu vergleichbaren visuellen Ergebnissen führen.

Die neuen zwölf Druckbedingungen bilden schliesslich eine flexible Grundlage für unterschiedliche Produktionsumgebungen. Sie sind so definiert, dass sie sowohl mit der klassischen TVI- als auch mit der NNC-Methode kompatibel sind und damit eine hohe Anpassungsfähigkeit in der Praxis ermöglichen. Insgesamt stellt die Revision der ISO 12647-2 einen wichtigen Schritt in Richtung einer moderneren, flexibleren und international einheitlicheren Druckproduktion dar. Sie integriert sowohl bewährte als auch neue Verfahren und schafft damit eine gemeinsame Grundlage für unterschiedliche Arbeitsweisen. Die Finalisierung der Norm wird für Ende 2026 erwartet, die Veröffentlichung für 2027. Für die praktische Umsetzung ist üblicherweise eine Übergangszeit von etwa drei Jahren vorgesehen.

TOP