Die ISO 12647-2 gehört zu den wichtigsten Normen im Offsetdruck. Ihre Bedeutung ergibt sich nicht nur aus ihrer direkten Anwendung in der Praxis, sondern auch aus ihrer Einbindung in Standard- und Zertifizierungssysteme wie den ProzessStandard Offsetdruck oder Programme wie swissPSO® und PSO France®. Wie alle ISO-Normen wird sie regelmässig – in der Regel alle fünf Jahre – überprüft. Dabei wird entschieden, ob sie unverändert bestehen bleibt, überarbeitet oder gegebenenfalls zurückgezogen wird. Für die Version von 2013 wurde eine umfassende Revision beschlossen, um die Norm an den aktuellen Stand der Technik und veränderte Marktanforderungen anzupassen.
Im Rahmen dieser Überarbeitung wurden mehrere zentrale Neuerungen eingeführt. Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die Kalibrierung von Druckprozessen. Neben der klassischen Methode über die Tonwertzunahme (TVI), die auf Dichtemessungen basiert, stehen nun zwei zusätzliche Ansätze zur Verfügung. Mit dem Colour Tone Value (CTV) wurde eine farbmetrische Alternative eingeführt, bei der die tatsächliche Farbwirkung gemessen wird. Ergänzend dazu wurde die Near-Neutral Calibration (NNC) aufgenommen, die sich an der Graubalance orientiert und den Druckprozess über neutrale Grautöne steuert. Damit erweitert die Norm die bisherigen Möglichkeiten deutlich und trägt unterschiedlichen Arbeitsweisen in der Praxis Rechnung.
Auch die standardisierten Druckbedingungen wurden erweitert. Statt bisher acht gibt es nun zwölf sogenannte Printing Conditions (PC1 bis PC12). Diese unterscheiden sich vor allem hinsichtlich Papiertyp, Druckverfahren (Bogen-oder Rollenoffset) und optischer Eigenschaften des Bedruckstoffs, insbesondere im Hinblick auf den Einsatz optischer Aufheller. In diesem Zusammenhang wurden auch die Farbzielwerte leicht angepasst, um konsistentere Ergebnisse zu ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt der Revision liegt auf den Tonwertzunahmekurven. Diese wurden neu definiert und stärker an die Eigenschaften der jeweiligen Papieroberflächen angepasst. Gleichzeitig wurden die Kurven so harmonisiert, dass unterschiedliche Kalibrierungsmethoden – insbesondere TVI und NNC – im Regelfall zu vergleichbaren visuellen Ergebnissen führen. Ergänzend dazu wurden die Messbedingungen präzisiert. Die Norm legt nun klarer fest, wann welche Messmodi (z. B. M1 oder M2) eingesetzt werden sollen, insbesondere in Abhängigkeit vom Anteil optischer Aufheller im Papier.