STANDARDISIERUNG

Fachkonferenz mit Podiumsdiskussionen in Paris

Standardisierung: Ein unverzichtbarer Leistungshebel für die moderne Druckindustrie

Zwischen Produktivitätssteigerungen und personeller Umgestaltung – ein Rückblick auf den Expertenaustausch von insgesamt drei Podiumsdiskussionen zum Thema Standardisierung in der grafischen Industrie.

Die Fachveranstaltung, moderiert durch Christophe Villar (Direktor GAC), diskutierten Vertreter aus Druckereien, Drucksachenkäufern sowie Beratungsfirmen über die Standardisierung und Zertifizierung nach ProzessStandard Offset.

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Podiumsdisskusion 1 – Erfahrungsberichte aus der Industrie

Fokus auf Produktivitätssteigerungen und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Standardisierung.

  • Eric Wauters, Geschäftsführer Wauters Gruppe, CEO von CH-WAUTERS ET FILS
  • Abderrazak Benalia, Technischer Leiter Druck, Wauters Gruppe
  • Georges Moreira, CEO, Antoli Imprimeur Packaging
  • Mathilde Lu, Quality Manager und PSO Verantwortliche, Antoli Imprimeur Packaging
  • Charlène Dupuy, Verkauf und Marketing, Antoli Imprimeur Packaging
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Podiumsdisskusion 2 – Sichtweise der Druckauftraggeber

Warum Auftraggeber Druckereien bevorzugen, die ihre Produktionsprozesse standardisiert haben.

  • Julien Baléria, Prepress Manager, Glénat
  • Emma Gery, Marketing Managerin, On The Wild Side Cosmetics
  • Marie Blaquière, Operations Manager, On The Wild Side Cosmetics
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Podiumsdiskussion Nr. 3 – Berater und Branchenexperten

Umsetzung der Zertifizierung in Unternehmen: Schwierigkeiten in Frankreich und Aufklärung über Vorurteile hinsichtlich der Komplexität der Standardisierung.

  • Emmanuelle Dault, Stv. Geschäftsführerin, Ugra Swisstesting AG
  • Céline Zanutto, Prepress Consultant, GAC
  • David Bompas, Press Consultant, GAC

«PSO ist vor allem ein kollektives Projekt»

Georges Moreira, Antoli Imprimeur Packaging

«Warum eine Methode ändern, die seit 25 Jahren funktioniert?» Das ist die immer wiederkehrende Frage, mit der Berater bei ihren ersten Einsätzen in Unternehmen konfrontiert werden. Diese Frage ist zwar berechtigt, verschleiert jedoch oft eine wirtschaftliche Realität: In einem hart umkämpften Markt ist Gewohnheit manchmal der Feind der Rentabilität. Die Podiumsdiskussion mit den erfahrenen Beratern Céline Zanutto (GAC), David Bompas (GAC) und Emmanuelle Dault (Ugra) bot Gelegenheit, die wahren Herausforderungen der Standardisierung (PSO/ISO 12647-2) zu beleuchten, die weit über den blossen Erhalt eines Zertifikats hinausgehen.

Analyse: Zwischen personellen Herausforderungen und wirtschaftlicher Rentabilität

Die Umsetzung eines Standardisierungsprozesses weckt bei Druckereien systematisch drei grosse Befürchtungen: die unmittelbaren Kosten, die Unsicherheit hinsichtlich der Kapitalrendite (ROI) und den Widerstand gegen Veränderungen. Experten sind sich jedoch einig, dass sich die Investition, die für die Begleitung auf 15.000 bis 20.000 Euro geschätzt wird, durch die operativen Gewinne schnell amortisiert.

PSO ist vor allem ein kollektives Projekt

Der Erfolg der Standardisierung hängt nicht nur von der Kalibrierung der Maschinen ab, sondern auch von der Akzeptanz durch die Teams. Die folgenden Punkte wurden als entscheidend identifiziert:
  1. Das Engagement der Geschäftsleitung ist unerlässlich, um die Vision des Projekts voranzutreiben.
  2. Die interne Kommunikation muss Silos aufbrechen, insbesondere den historischen «Kampf» zwischen den Abteilungen Druckvorstufe und Druck.
  3. Die Wertschätzung des Fachwissens der Mitarbeiter ermöglicht es, alte Gewohnheiten aufzubrechen und stabilere, gemeinschaftliche Strukturen aufzubauen.

«Qualität liegt uns im Blut»

Emma Gery, On the Wild Side Cosmetics

Messbare Produktivitätssteigerungen

Die Vorteile der Standardisierung lassen sich laut den Vertretern aus der Industrie in konkreten Zahlen ausdrücken, die sich direkt auf das Geschäftsergebnis auswirken:
  • In der Druckvorstufe konnte die Automatisierung der Dateiprüfung die Bearbeitungszeit um 50 % reduzieren.
  • In der Produktion konnte der Papierabfall bei der Farbgebung je nach Verfahren um 15% bis 80% sinken.
  • Insgesamt konnte ein standardisiertes Unternehmen seinen Bruttobetriebsüberschuss um durchschnittlich 5% steigern.
  • Reklamationen konnten um 50% reduziert werden.
  • Die Rüstzeiten konnten im Durchschnitt um das Dreifache und in einigen Fällen sogar um das Zehnfache verkürzt werden, insbesondere bei Aufträgen von Kunden aus der Kosmetik- und Luxusgüterindustrie.
  • Wauters reduzierte die Produktion von 3 Schichten auf 2 Schichten (keine Entlassungen, Pensionierungen und freiwillige Abgänge).
  • Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Abteilungen wurde deutlich besser, insbesondere zwischen der Druckvorstufe und dem Druck.

KI: Die Lösung für die Herausforderung der Dokumentation

Eines der größten Hindernisse für die Standardisierung ist der hohe Dokumentationsaufwand (Verfahren, Arbeitsanweisungen). Künstliche Intelligenz erweist sich heute als wertvolles Werkzeug, um:
  • die Erstellung interner Prozesse zu unterstützen.
  • die Dokumentationsgrundlagen schnell und einheitlich zu strukturieren.
  • den Mitarbeitern Zeit für Aufgaben mit höherer Wertschöpfung zu verschaffen.

Zertifizierung vs. Standardisierung

Die Debatte drehte sich auch um die Notwendigkeit einer offiziellen Zertifizierung. Manche Druckereien standardisieren zwar ihre Prozesse, scheuen sich aber zertifizieren zu lassen, um wiederkehrende Kosten (etwa 10.000 Euro über drei Jahre) zu vermeiden. Dennoch stellte sich in der Debatte heraus, dass die Zertifizierung ein starker Motor bleibt, um das Unternehmen um ein gemeinsames Ziel zu vereinen und den Fortbestand des Know-hows angesichts der Personalfluktuation zu gewährleisten. Emma Gery, Marketing Managerin bei On the Wild Side Cosmetics bestätigt dann auch, dass sie sich nach zahlreichen Problemen mit ihren früheren Lieferanten für die Zusammenarbeit mit einer PSO-zertifizierten Druckerei entschieden haben. Das Erscheinungsbild ihrer Verpackungen ist für sie von grösster Bedeutung und es ist daher unerlässlich, dass der Druck von einer Produktionscharge zur nächsten identisch ist. Durch den Wechsel ist es ihnen gelungen, dass die gedruckten Verpackungen ihres Lieferanten nun stets ihren Erwartungen gerecht werden.

Fazit: Standardisierung als strategischer Kompass

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Standardisierung nicht als technische Einschränkung oder überflüssige Ausgabe betrachtet werden sollte, sondern als umfassende Strategie zur kontinuierlichen Verbesserung. Sie ermöglicht nicht nur die Sicherung der Produktion und die Reduzierung externer Nichtkonformitäten, sondern stärkt auch das Markenimage des Unternehmens gegenüber immer anspruchsvolleren Auftraggebern.

Der Fortbestand einer Druckerei im Jahr 2026 hängt von ihrer Fähigkeit ab, handwerkliche Methoden in robuste industrielle Prozesse umzuwandeln. Standardisierung ist kein Ziel, sondern das Fundament, auf dem die Agilität von morgen aufbaut. Für noch zögernde Führungskräfte lautet die Empfehlung eindeutig: Gehen Sie Schritt für Schritt vor, einen Prozess nach dem anderen, um alle Mitarbeiter nachhaltig auf den Weg zur Exzellenz mitzunehmen.

NORMUNG ISO/TC 130

Vom 20. bis 24. April 2026 treffen sich über 50 Experten aus aller Welt beim Frühjahrs-Meeting des Normungskomitees ISO/TC 130. Das Meeting, das im Herzen der französischen Hauptstadt Paris stattfindet, wurde von einer Fachkonferenz mit Podiumsdiskussionen begleitet, bei der Anwender aus der lokalen Druckindustrie teilgenommen haben.

Unser Angebot

Zertifizierung nach swissPSO® (Offsetdruck) und swissPSD® (Digitaldruck)

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