Messbare Produktivitätssteigerungen
Die Vorteile der Standardisierung lassen sich laut den Vertretern aus der Industrie in konkreten Zahlen ausdrücken, die sich direkt auf das Geschäftsergebnis auswirken:
- In der Druckvorstufe konnte die Automatisierung der Dateiprüfung die Bearbeitungszeit um 50 % reduzieren.
- In der Produktion konnte der Papierabfall bei der Farbgebung je nach Verfahren um 15% bis 80% sinken.
- Insgesamt konnte ein standardisiertes Unternehmen seinen Bruttobetriebsüberschuss um durchschnittlich 5% steigern.
- Reklamationen konnten um 50% reduziert werden.
- Die Rüstzeiten konnten im Durchschnitt um das Dreifache und in einigen Fällen sogar um das Zehnfache verkürzt werden, insbesondere bei Aufträgen von Kunden aus der Kosmetik- und Luxusgüterindustrie.
- Wauters reduzierte die Produktion von 3 Schichten auf 2 Schichten (keine Entlassungen, Pensionierungen und freiwillige Abgänge).
- Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Abteilungen wurde deutlich besser, insbesondere zwischen der Druckvorstufe und dem Druck.
KI: Die Lösung für die Herausforderung der Dokumentation
Eines der größten Hindernisse für die Standardisierung ist der hohe Dokumentationsaufwand (Verfahren, Arbeitsanweisungen). Künstliche Intelligenz erweist sich heute als wertvolles Werkzeug, um:
- die Erstellung interner Prozesse zu unterstützen.
- die Dokumentationsgrundlagen schnell und einheitlich zu strukturieren.
- den Mitarbeitern Zeit für Aufgaben mit höherer Wertschöpfung zu verschaffen.
Zertifizierung vs. Standardisierung
Die Debatte drehte sich auch um die Notwendigkeit einer offiziellen Zertifizierung. Manche Druckereien standardisieren zwar ihre Prozesse, scheuen sich aber zertifizieren zu lassen, um wiederkehrende Kosten (etwa 10.000 Euro über drei Jahre) zu vermeiden. Dennoch stellte sich in der Debatte heraus, dass die Zertifizierung ein starker Motor bleibt, um das Unternehmen um ein gemeinsames Ziel zu vereinen und den Fortbestand des Know-hows angesichts der Personalfluktuation zu gewährleisten. Emma Gery, Marketing Managerin bei On the Wild Side Cosmetics bestätigt dann auch, dass sie sich nach zahlreichen Problemen mit ihren früheren Lieferanten für die Zusammenarbeit mit einer PSO-zertifizierten Druckerei entschieden haben. Das Erscheinungsbild ihrer Verpackungen ist für sie von grösster Bedeutung und es ist daher unerlässlich, dass der Druck von einer Produktionscharge zur nächsten identisch ist. Durch den Wechsel ist es ihnen gelungen, dass die gedruckten Verpackungen ihres Lieferanten nun stets ihren Erwartungen gerecht werden.
Fazit: Standardisierung als strategischer Kompass
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Standardisierung nicht als technische Einschränkung oder überflüssige Ausgabe betrachtet werden sollte, sondern als umfassende Strategie zur kontinuierlichen Verbesserung. Sie ermöglicht nicht nur die Sicherung der Produktion und die Reduzierung externer Nichtkonformitäten, sondern stärkt auch das Markenimage des Unternehmens gegenüber immer anspruchsvolleren Auftraggebern.
Der Fortbestand einer Druckerei im Jahr 2026 hängt von ihrer Fähigkeit ab, handwerkliche Methoden in robuste industrielle Prozesse umzuwandeln. Standardisierung ist kein Ziel, sondern das Fundament, auf dem die Agilität von morgen aufbaut. Für noch zögernde Führungskräfte lautet die Empfehlung eindeutig: Gehen Sie Schritt für Schritt vor, einen Prozess nach dem anderen, um alle Mitarbeiter nachhaltig auf den Weg zur Exzellenz mitzunehmen.