Der ProzessStandard Offset (PSO) sorgt weltweit für reproduzierbare Ergebnisse. Doch lässt sich dieses Erfolgsmodell auf den Digitaldruck übertragen? Angesichts der Vielfalt an Maschinen, Tonern und Tinten stößt der ProzessStandard Digitaldruck (PSD) oft an Grenzen. Es droht ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen.
In diesem Fachartikel beleuchtet die Druckmarkt-Redaktion gemeinsam mit der Ugra und Graphax AG die Unterschiede zwischen «Bottom-up»- und «Top-down»-Standardisierung und stellt neue Ansätze wie die Visual Print Reference (VPR digital) für digitale Drucksysteme vor.
Im Gespräch: Klaus-Peter Nicolay mit René Theiler, Mathias Schunke (Ugra) und Manuel Simmen (Graphax AG).
Der ProzessStandard Offset (PSO) ist der etablierte und anerkannte Referenzmassstab für qualitätsorientierte Druckproduktionen. Basierend auf der internationalen Norm ISO 12647-2, ermöglicht der PSO, dass alle an einer Drucksache beteiligten Parteien dieselbe Sprache sprechen und Prozesse kontrolliert sowie reproduzierbar ablaufen. Idealerweise führt dies dazu, dass bei einem Wechsel der Druckerei innerhalb enger Toleranzen immer das gewünschte Farbergebnis erzielt wird.
Doch beim Digitaldruck wird die Situation unübersichtlicher. Standardisierungskonzepte wie der ProzessStandard Digitaldruck FograPSD oder swissPSD der Ugra zielen darauf ab, eine vorhersagbare Druckqualität im Digitaldruck zu gewährleisten und als Werkzeug für mehr Prozesssicherheit zu dienen. Allerdings ist eine auf die Technologie zugeschnittene Standardisierung wie beim Offsetdruck kaum möglich. Der Digitaldruck ist extrem heterogen, umfasst völlig unterschiedliche Verfahrenstechniken (z. B. Toner, HP-Indigo, Inkjet-Systeme, UV-Farben) und eine Vielfalt an Substraten und Tinten/Tonern der jeweiligen Hersteller.
Anstatt einer Bottom-up-Standardisierung, wie sie beim PSO erfolgt, nutzt der PSD einen Top-down-Ansatz: Die Qualität wird durch die prozessunabhängige Nachstellung einer definierten Farbreferenz erreicht. Die Anforderungen an die Druckqualität im Digitaldruck werden durch die neue, eigenständige und mehrteilige Spezifikationsfamilie ISO/TS 15311 festgelegt.
Da aufgrund der Heterogenität nur einzelne Kombinationen (Druckmaschine, Bedruckstoff, Farbsystem und Farbmanagement-Umsetzung) zertifizierbar sind, entwickelt die Ugra spezifische Referenzdruckbogen, bekannt als VPR digital. Ziel dieser Bemühungen ist es, den Druckern und ihren Kunden eine farbmanagementbasierte Leitlinie an die Hand zu geben, damit Druckergebnisse im Digitaldruck reproduzierbar und erwartbar gleich sind. Dies ist besonders wichtig bei kleinen Auflagen, Wiederholaufträgen und bei der Kombination von Offset- und Digitaldruck (hybride Drucksachen).
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