Später waren Sie bei der typolitho ag als Bereichsleiter Technik für rund 70 Mitarbeitende verantwortlich – mitten im technologischen Wandel. Was war Ihre grösste Herausforderung?
Die typolitho ag war eines der ersten Unternehmen in der Schweiz, die Typografie und Lithografie vor der Einführung des Polygrafen-Lehrberufs vereinen. Gleichzeitig änderte sich die Arbeitsmethodik grundlegend: Interdisziplinäre Teams ersetzten klassische Abteilungen. Die grösste Herausforderung war das Teambuilding. Diese Umstrukturierung erforderte zahlreiche Weiterbildungen – und vor allem die intrinsische Motivation der Mitarbeitenden, sich ständig weiterzuentwickeln.
Digitalisierung und Change-Prozesse ziehen sich dabei durch Ihren gesamten Berufsweg. Wie hat das Ihre Arbeit verändert?
Durch die Digitalisierung entstanden neue Geschäftsfelder rund um den Druck, insbesondere im Bereich Crossmedia. In der Folge wurden Portfolios um Agenturleistungen erweitert. Eines der ersten Projekte in diesem Kontext durfte ich mit einem grossen Sanitärhersteller umsetzen – inklusive Website-Überarbeitung und interaktiver Elemente. Hier mussten Text-, Bild- und Gestaltungskompetenz zusammengeführt werden. Gleichzeitig stiegen die Qualitätsansprüche der Kund:innen. In dieser Phase konnte ich mit der Ugra die Akkreditierungen, Zertifizierungen und Standards für die Druckindustrie begleiten.
Standardisierung lag auch während Ihrer Tätigkeit als Bildungsverantwortlicher und Projektleiter Technik im Fokus. Warum sind Standards für Sie so zentral?
An oberster Stelle steht die Kundenzufriedenheit – sie ist die Basis für langfristige Zusammenarbeit und Reputation. Standardisierte Prozesse ermöglichen reproduzierbare Ergebnisse. Gerade im Logodruck ist es entscheidend, Farbwerte nicht nur einmal, sondern dauerhaft exakt zu treffen. Internationale Standards wären wünschenswert – aktuell findet gerade ein Prozess der Harmonisierung der Standards statt, derzeit prägt vor allem Europa die Normenlandschaft.
Zudem haben Sie innovative Schulungskonzepte entwickelt. Was macht gute Weiterbildung im technischen Umfeld aus?
Voraussetzung ist immer Eigeninteresse. On-the-job-Training halte ich nach wie vor für die effektivste Lernform. Auch ich habe mir vieles autodidaktisch angeeignet. Fehler gehören dazu – man lernt daraus und entwickelt neue Lösungswege.
Ich setze zudem stark auf Gruppenarbeiten: Sie fördern Interdisziplinarität und simulieren reale Teamprozesse.
Als Dozent unterrichten Sie Nachhaltigkeit und Qualität. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit heute in der Medienproduktion?
Eine sehr grosse. Angesichts von Klimakrise und Ressourcenknappheit müssen Nachhaltigkeitsaspekte in allen Bereichen berücksichtigt werden. In der Druckbranche heisst das vor allem: Prozesse optimieren, Energie sparen, Materialeinsatz reduzieren.
Ein nach Prozessstandard Offsetdruck (PSO) optimierter Prozess spart nicht nur Zeit, sondern auch Farbe und Strom – teilweise bis zu ein Drittel des Energieverbrauchs. Offset-druck kann nachhaltig genutzt werden, solange wir bewusst
und verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehen. Auch Druckfarben und Lösungsmittel bieten grosses Potenzial. Und nicht zuletzt spielen Gebäude, Arbeitsumgebungen und Infrastrukturen eine wichtige Rolle in der Gesamtbilanz.
Gemeinsam mit Hannes Zaugg haben Sie den CAS Crossmedia Manager initiiert. Was war die Vision dahinter?
Oft werden die Wertschöpfungsschritte vor und nach dem Druck unterschätzt – etwa Webanwendungen, digitale Kanäle oder Bildbearbeitung. Zu lange wurde in isolierten Disziplinen gedacht. Der Crossmedia-Manager sollte genau hier ansetzen: an der Schnittstelle von Automation und Rentabilität. Es geht um ein Verständnis für Kommunikationsplanung, Kenntnisse moderner Medientechniken sowie Praxis zum kostenbewussten Handeln. Wir wollten den Kunden vor dem berühmten PDF-Balken neue Optionen mit crossmedialen Projekten aufzeigen.